The dark side of New Zealand!

Hallo ihr Lieben,

genießt ihr alle den Sommer? :)
Hier wird es langsam kälter ABER es ist bisher ein wunderschöner Herbst/Winter.Ich sitze regelmäßig mit meiner lieben Chefin in der Sonne beim Nachmittagskaffee um noch möglichst viel Vitamin D zu tanken. Und bisher laufen die meisten Kiwis noch in kurzen Klamotten rum – die sind zugegebenermaßen aber auch hart im nehmen.

Der typische Kiwi läuft das ganze Jahr in Shorts und T-shirt rum und im Winter wird dann einfach noch eine Wollmütze auf den Kopf gezogen. Das hält warm genug.
Ich als Frostbeule erfriere eher schon beim Anblick dieser Hartgesottenen und freue mich schon, dass ich in 3 Wochen wieder in den Sommer fliegen kann, hehe.

Trotz schönem Wetter kommt aber jetzt die Feuchtigkeit angekrochen und da sind wir auch schon bei dem Thema, das uns und fast ganz Neuseeland gerade beschäftigt.
Dadurch, dass unser Haus gerade das Paradies zur Schimmelbildung ist haben wir uns seit einigen Wochen wieder auf die Suche nach einer neuen Wohnung gemacht und es ist echt zum verzweifeln.
Es gibt keine guten Wohnungen oder Häuser auf dem Markt und die Preise sind einfach nur verrückt.

Momentan liegt eine vergammelte, runtergekommene 1-Zimmerwohnung bei günstigstenfalls $430 die Woche kalt. Wenn man Glück hat,  bekommt man für das Geld eine runtergekommene renovierungsbedürftige Zweizimmerwohnung. Die Preise nach oben sind offen – aber leider gehören wir noch nicht zu den Menschen, die einfach mal $1200-2000 die Woche zahlen können. Und auch wenn der Optimist in mir denkt – „Was nicht ist, kann ja noch werden“ – sträubt sich mir der Gedanke, dass man überhaupt so viel für Miete zahlt. Das ist einfach verrückt.
Unsere lieben Neuseeland-Großeltern zum Beispiel zahlen für ihre 2-Zimmerwohnung ca. $800 die Woche und die ist tatsächlich auf einem Standard, den ich eigentlich als ok und gut empfinden würde.

Das Problem hier in Auckland ist tatsächlich, dass gerade eine Immobilienkrise stattfindet.
Es gibt zu wenig Häuser für zu viele Menschen. Eine kleine runtergekommene Gartenhütte mit einem maximalen Bauwert von $45.000 kostet hier locker bis zu einer Millionen Dollar, weil die Grundstücke so teuer sind.
Vor nicht allzu langer Zeit war das hier noch ganz anders – Neuseeland war bekannt dafür, dass man hier günstig Land und Häuser kaufen kann. Das kann man mittlerweile vergessen – außer man lebt auf der Südinsel mitten in der Pampas. Die jungen Leute fangen an die Mieten von einzelnen Zimmern zu zweit zu teilen. Sowas kenne ich bisher nur von z.B. London oder San Francisco.

Auckländer, die vor 10-20 Jahren ein Haus gekauft haben, machen jetzt richtig viel Geld mit dem Wiederverkauf. Das schöne ist, dass unsere Neuseeland Großeltern auch dazu gehören und es ihnen jetzt richtig gut geht. Das ist schon super :) Nur nicht für die Generationen, die jetzt gerne was kaufen wollen…
Die wollen nun auch wieder in ein Haus investieren und es dann günstig an uns vermieten, sodass sie ihr Geld nicht auf der Bank liegen haben und sicher sind, dass sie gute Mieter haben, die sich auch um Renovierungen etc kümmern. Das ist eine unglaublich gute Aussicht für uns, allerdings suchen wir gerade zusammen nach Wohnungen/Häusern und gehen regelmäßig auf Besichtigungen zusammen. Sich das im Internet anzuschauen reicht nicht, denn die Bilder sind immer auf Hochglanz und im Original sieht das oft anders aus haha.

Da fällt mir schon auf, wie verrückt das ganze ist. Bisher haben wir noch keine Wohnung gefunden, die geeignet wäre und im Budget liegt. Ich denke jedes Mal, dass man für diese Buden niemals mehr als 200.000 ausgeben sollte (vorallem, da fast überall noch eine Grundsanierung ansteht). Tatsächlich kosten sie aber alle so rund um die 800.000-1,2 Mio Dollar und dann muss man die Renovierungskosten noch obendrauf rechnen.

Wir bleiben einfach mal weiter am Ball und schauen, wie es läuft. Noch geht es uns gut und wir lernen einfach regelmäßig neue Wege Schimmel zu bekämpfen haha. Isopropyl Alkohol, Ethanol und Anti-Mould sind unsere besten Freunde im Moment.
Und der beste Blick mit der besten Lage hält unsere Gemüter auch noch im positiven Bereich. Dennoch – die Sehnsucht nach einem richtigen, muckeligen Zuhause wird von Monat zu Monat größer.

Das ganze Thema beschäftigt mich generell sehr. Man stelle sich mal vor man ist eine 4 köpfige Familie, mit nur einem Einkommen, und das evtl nicht gerade im Ingenieurswesen.
Ich weiß nicht, wie die hier über die Runden kommen, da Lebensmittel etc. einfach auch unbeschreiblich teuer sind.
Die Preise der Häuser sind zu hoch und dann sind die schon teuren Mieten im Verhältnis auch noch zu gering um die monatlichen Tilgungen zahlen zu können. Es gibt neue Strategien vom Staat, dass in den nächsten 3 Jahren unendlich viele Häuser und Wohnungen gebaut werden sollen, die alle „affordable“ (im Bereich von $600.000 – TOTAL AFFORDABLE-NOT(!)) liegen sollen um der Häuserkrise ein Ende zu setzen. Es werden ganze Häuserdörfer in der Pampas ausserhalb von Auckland gebaut, wo bisher nur einspurige Landstraßen zur Autobahn führen, die momentan schon alle verstopft sind und die Auckland Autobahn… ai caramba… in dem täglichen Stau möchte ich nicht morgens und abends stehen um zur Arbeit zu kommen.

Dann soll es auch Regularien geben, dass nur Residents überhaupt erlaubt sind zu kaufen. Täglich stehen Artikel über das Thema in der Zeitung und es wird spekuliert, ob der Markt nicht bald zusammenbricht.
Die Banken machen offiziell schon Kalkulationen, ob sie noch liquide sind bei einem Markteinbruch von 20-60% etc….

Es sieht also momentan eher bescheiden aus. Dabei ist Neuseeland so klein und man könnte so einfach wunderbare Netze aufbauen, ordentliche Stadtplanung betreiben und langfristig denken, um mit all den Themen umzugehen.
Anscheinend ist das allerdings nicht so Neuseelands Stärke und die Kiwis, die wir kennen schütteln nur den Kopf und wundern/ärgern sich über die Politiker.

So wurden ja letztens hier von unserem werten Ex-Premier $20-40 Mio für die Wahl einer neuen Flagge ausgegeben, nur damit am Ende die Bestätigung herauskam, dass die alte Flagge eigentlich noch ganz gut ist. Gleichzeitig verschiebt sich die Erweiterung der EINZIGEN Brücke über das Hafenbecken seit Jahren immer wieder und der geplante Radweg soll nun durch Maut von den Radfahrern (!) finanziert werden. Dabei sind es ja die Autofahrer, die durch den niedrigeren Verkehr profitieren. Die Stadtplanung sagt, dass ein Ubahnnetz in frühestens 40 Jahren realistisch sei…

Ich bin sehr gespannt was passiert. Momentan sieht es eher schlecht aus für das Paradies Neuseeland, meiner Meinung nach. So schön es hier ist – wenn diese ganzen Themen nicht gelöst werden und die Bevölkerung weiterhin so schnell wächst, wird das hier irgendwann eher ungemütlich.
Aaaaaber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt und evtl. reißen sie das Segel nochmal rum, und meistern all diese Problematiken. Immobilienkrise, viel zu teure Preise und dauerhafter Stau betreffen uns momentan eher noch wenig. Uns gehts zum Glück gut mit zwei Gehältern, happy Jobs (neuerdings zusätzlich noch einem gesponsorten PHD Programm für Valle) und unserem WG leben. Wir sind allerdings ja auch nur für einen Abenteuerabstecher hier und wollen irgendwann wieder nach Deutschland zurück (nicht, dass die Preise dort nicht auch steigen haha) und leben hier für ein paar Jahre, weil wir es uns ausgesucht haben.

So… genug von der dunkle Seite Neuseelands :)

Das Leben ist trotz allem Lebenswert in Neuseeland und wir genießen es jetzt wohl noch weitere drei Jahre, damit Valle seinen PhD Wunsch in Realität umsetzen kann. Die ersten Schritte sind schon eingelenkt und gerade sitzt er fleißig neben mir und ist vertieft in Matheformeln, die mir Alpträume bescheren würden :)

Machts gut und bis bald!

 

 

 

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