Ostern mit Hillary und Picknickkorb

Ostern haben wir uns mal einer kleinen Herausforderung angenommen und somit gleich mal ein großes Vorhaben von uns angefangen. Wir wollen nämlich die Great Walks laufen, die es hier in Neuseeland gibt und da wir komplette Wander Grünhörner sind waren wir noch nie auf einer mehrtätigen Wanderung.

Mit eher wenig und spontaner Vorbereitung haben wir uns mit Maren dann aber einfach mal auf den Hillary Trail begeben – eine viertätige Wanderung. Der Track wurde nach dem berühmten Sir Edmund Hillary, dem ersten Mount Everest Bezwinger benannt, auf den Neuseeland so sehr stolz ist.

Campingplätze wurden noch schnell am Morgen der Abreise gebucht und um 2 Uhr ging es am Arataki Visitor Centre los. Die Ranger Frau war noch ein bisschen unsicher, ob wir es überhaupt noch schaffen im Tageslicht bei unserer ersten Etappe anzukommen, hat uns aber gut beraten und uns dann mit einem „Ach, ihr seht jung und fit aus… ihr werdet das schon schaffen“ gehen lassen. Die erste Etappe konnten wir gar nicht auf der originalen Strecke laufen, da es Bodenrutsche gab (dank fröhlichen Regenergüssen und wütendem Sturm in der Woche vorab). Also ging es mit wackeligen Beinen los auf den Track (die Rucksäcke waren viel zu voll bepackt und schwer – es hat allerdings an nichts gefehlt. Noch nicht mal an Lindt Osterhasen passend zum Osterfest).

Als wir super fertig, noch bei Tageslicht, wieder aus dem Dschungel herausgelaufen sind, waren wir super erstaunt, dass wir es geschafft hatten und haben uns an einem Staudamm erstmal fröhlich auf den Boden gelegt :) Der Weg war der reinste Wahnsinn – rutschig und immer weiter hoch und runtergekraxel durch den Dschungel. Mehr als einmal standen wir vor Ecken, wo wir leicht entsetzt dachten: Niemals! Aber den ganzen Weg zurück? Doppelt NIEMALS! Also blieb uns nichts anderes übrig als weiter zu gehen. Wir hatten ganz schön viel Spaß mit unserer Unerfahrenheit und haben uns immer wieder über unsere schlechte Vorbereitung  weggegiggelt. Wir hatten echt gar keine Ahnung bzw Vorstellung, wie anstrengend der Track sein wird. Irgendwann waren wir dann so ko, dass nur noch gesungen wurde, damit wir nicht daran dachten, wie ko wir eigentlich sind und dass wir eigentlich keinen einzigen Schritt mehr gehen möchten. Als wir dann also verschlampt, ko und sooo erleichtert in Dunkelheit bei unserem Campingplatz angekommen sind haben wir nur noch unser Zelt in die Luft geschmissen (herrlich, diese selbstaufbauenden 10 Sekunden Zelte), haben uns an einem Wasserhahn gewaschen und sind tot ins Zelt gefallen.

Am Morgen ging es schon wieder richtig gut! Bei Sonne auf einem „Bauernhof“ wurde dann noch gemütlich gefrühstückt. Es stand eine kurze Etappe bevor – die entspannte Strecke vor dem letzten sehr langem Tag mit dem weitesten Weg. Es hieß es ginge erstmal Bergauf und dann ganz entspannt weiter. Wir sind also frohen mutes und mit den Gedanken „Schlimmer als gestern kann es nicht werden“ losgewandert und unsere Beine hatten sich an das Gewicht des Rucksacks gewöhnt. Alles fing entspannt an: eine kleine Flussüberquerung und noch schnell unsere Schuhe mit dem Reinigungsmittel säubern, was überall an den Waldanfängen- und enden bereit steht, damit man die Kauri Bäume for schädlichen Keimen schützt. Und los gings… entspannt Höhenmeter machen – immer weiter hoch… ein bisschen klettern aber alles entspannt. Ein paar Stunden später, ziemlich weit oben dachten wir dann langsam… okay… rechts gehts runter, links gehts runter… also kann es ja nicht viiiel weiter hoch gehen. Es ist wirklich schön, wie sehr man sich doch irren kann! Aber es war alles wunderschön! Der Dschungel ist so wunderbar stille und es riecht überall nach Moos, Erde und irgendwie frisch :) Zwischendurch haben wir ein paar kleine Pausen genossen und unseren Proviant Stück für Stück verschlungen, damit die Rucksäcke leichter werden :) Und als wir dachten so langsam müssten wir endlich ankommen, wir sind oben… wir sind ko… es geht bergab… Sahen wir nur noch einen Riesenberg vor uns und waren uns ziemlich sicher, dass der nicht auf unserem Track liegt. Aber da hatten wir uns natürlich geirrt :) 1 Stunde später waren wir dann schwitzend und stöhnend auch da oben angekommen. Wunderbare Aussicht! Allerdings auch eine Aussicht auf den nächsten Berg, und wieder dachten wir… neeee… bestimmt nicht unser Track. Nach einigen Metern runter und unendlich vielen Metern wieder hoch waren wir dann eine weitere Stunde später auch dort ganz oben angekommen :D Wir haben uns echt beömmelt über uns selber, waren aber unendlich stolz, dass wir absoluten Beginner so gut voran kommen. Es gab ungefähr alle 15 Minten ein „self-high-five“, da man doch so einige Herausforderungen auf dem Weg zu meistern hatte.

Eeeendlich nachdem wir dann ganz oben waren. Wirklich ganz oben und es nur noch bergab ging, sahen wir auch schon unseren Campingplatz. Oh, die Freude war groß und wir sind etwas leidend immer weiter bergab gekrachselt. Natürlich hatten wir uns dann auch schon wieder geirrt, denn der Campingplatz war gar nicht unserer… unserer war ein viel schönerer im Sumpf an Höhlen allerdings noch 20 weitere Minuten zu laufen. Iiirgendwie kann man ja doch noch immer weitergehen, ne? Es war auf jeden Fall ein wunderschöner Ort zum schlafen! Wir haben uns noch ein Buch vorgelesen und sind komplett seelig schlafen gegangen. Am nächsten Morgen hatten wir allerdings keine Energie auch nur noch 10 Kilometer Bergauf-bergab zu gehen, geschweige denn 25km. Also haben wir beschlossen uns auf den Rückweg zu machen. Wir waren schon stolz genug auf unsere Leistungen und man muss es ja auch nicht übertreiben :) Der Trip wurde also auf 2 Tage verkürzt und wir haben beschlossen, dass das einfach mal ein guter Start war :)

Also haben wir uns an die Straße gestellt und kurze Zeit später wurden wir von einer lieben Familie eingeladen und die hälfte der Strecke Richtung Auto mitgenommen. Hitch-Hiking ist hier in Neuseeland noch ein ziemlich beliebtes Reisemodell – jedoch konnten wir keine weitere Mitfahrgelegenheit finden, nachdem die Familie uns abgesetzt hat und so sind wir bei schönstem Wetter dann nochmal 2 Stunden gemütlich zu Fuß zum Auto getingelt.

Danach gab es erstmal einen festlichen Belohnungs-Oster-Schmaus im Piha Café – so ziemlich dem einzigen Café in Piha aber definitiv eins unserer liebsten hier in Auckland.

Den letzten freien lange-Wochenendtag gab es dann eine Genussfortführung auf Waiheke Island. Im „The Goldie Room“ haben wir uns einen Picknickkorb vom allerfeinsten gegönnt – eine feine Weinflasche des Weinguts noch oben drauf gepackt und haben den Nachmittag mit Leckerein genossen und den Tag gemütlich im Schatten eines schönen Baums auf dem Weingut ausklingen lassen.

Nun… gefühlt schon wieder eine Ewigkeit nach Ostern, ist Maren abgereist und Valle und ich sind wieder im normalen Leben angekommen. Der nächste Besuch steht diese Woche allerdings schon wieder vor der Tür und wir freuen uns riesig :) Die beiden haben allerdings eine ziemlich ähnliche Route mit unserem Rüdiger geplant, wie wir sie damals gereist sind – sie werden also eher wenig Zeit in Auckland verbringen. Ich freue mich dennoch unendlich :)

Es ist wirklich klasse, wie man hier so ein normales Alltagsleben führt – wir beiden arbeiten teilweise auch wirklich viel zu viel und die ganze Woche durch (naja aber wenns ja Spaß macht, wa?) Aber dann nimmt man sich zwischendurch immer ein Wochenende oder sei es auch nur ein Tag und schon ist man in Urlaubsstimmung – Meer und Dschungel direkt vor der Nase… das macht es schon ziemlich einfach immer wieder abzuschalten und sich fern von jeglichem Alltag zu fühlen.

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